Mit einem Münchner Coach hat Golfer Thongchai Jaidee den Sprung in die Weltspitze geschafft.
Wentworth - Thongchai Jaidee steht auf dem Trainingsgelände des Wentworth Golf Clubs nahe London und trainiert: kurze Bälle zum Grün mit viel Spin, mit wenig Spin, hoch, niedrig, mit kurzer und mit langer Auslaufphase. Stundenlang, endlos. "Die Asiaten trainieren einfach mehr. Die fangen ganz früh an und hören abends ganz spät auf" - der Mann, der neben dem Thailänder Jaidee steht und die Trainingseinheit während der PGA Championship beobachtet, hat einen unverkennbar bayerischen Akzent, überragt den kleinen Profi um eineinhalb Köpfe und sagt: "Nach Thailand hat es mich eigentlich nie gezogen."

Inzwischen verbringt Peter Wolfenstetter jeden Winter mehrere Wochen in einem Ort namens Lop Buri, zwei Stunden von Bangkok entfernt. Der deutsche Golfpro, geboren in Reit im Winkl, als Trainer und Jugendkoordinator im Golfclub Wörthsee bei München zu Hause, trainiert seit 2004 mit Thongchai Jaidee. Neben Günther Kessler, dem Coach von Martin Kaymer, ist der 40-Jährige der einzige deutsche Golflehrer, der einen Profi aus den Top 60 der Welt betreut.
2004 hat er Jaidee während der BMW International Open in Eichenried kennengelernt. "Das war auch ein bisschen ein glücklicher Zufall", erinnert sich Wolfenstetter. "Thongchai stand auf der Driving Range und hatte ein paar Probleme mit dem Schwung. Wir haben ein bisschen was gemacht, und zum Glück hat es die nächsten Turniertage funktioniert." Hört man Jaidee selbst, hört sich das etwas anders an: "Peter hat mir sehr, sehr viel mit meinem Schwung geholfen. Ich bin sehr glücklich mit der Zusammenarbeit", sagt er in seinem gebrochenen Englisch. Zum Beweis seiner Dankbarkeit schenkt er seinem Coach sofort das neueste Modell einer trendigen Sonnenbrille.
"Der schaut wahnsinnig auf mich", sagt Wolfenstetter. Der große, blonde Deutsche und der kleine dunkle Thai haben in den vergangenen fünf Jahren alle Sprach- und Kulturbarrieren überwunden. Wolfenstetter ist zum Armeestandort Lop Buri gereist, hat bei Jaidees Familie gewohnt, sich seine Trainingsbedingungen angesehen: ein normaler 18-Löcher-Golfplatz, auf dem Jaidee mit 16 das Golfspiel begann. 1989 wurde er Fallschirmjäger bei der Armee. "Nach meinen zwei Jahren Pflichtzeit habe ich um neun Jahre verlängert, weil ich damit Zugang zum Golfplatz hatte und weiter meinen Traum, Golfpro zu werden, verfolgen konnte", erinnert er sich heute. Man ließ ihn trainieren, morgens ging er zehn Kilometer laufen, danach spielte er Golf, bis zu zwölf Stunden am Tag.
Heute, nach zehn Jahren als Golfpro, wird er in Lop Buri als Held gefeiert. Zweimal hat er die Asian-Tour-Rangliste gewonnen, sich als erster Thailänder für ein Major der Männer qualifiziert. Er war bei der US Masters in Augusta im April am Start, hat in dieser Saison die Jakarta Indonesia Open und die Ballentine's Championship gewonnen (see Asian Tour Venues). Zu Hause ließ er sich eine Driving Range und einen Kurzplatz bauen. Im Winter stehen Wolfenstetter und er dann auf der Driving Range und arbeiten mit modernsten Methoden am Schwung. Der Laptop mit den Schwungstudien und der Putt-Computer waren für die Thailänder anfangs eine Sensation.
Inzwischen hat der Münchner unter den Pros aus Thailand einen gewissen Bekanntheitsgrad. Chapchai Nirat, der zweite Thailänder auf der European Tour, kommt regelmäßig, Prayad Marksaeng, Nummer 53 der Welt, ist ab und zu Kunde. Einfach ist die Arbeit nicht, weil die Englischkenntnisse der Herren gegen Null gehen. Im April gehörte Jaidee zu den Top 50 der Welt, was die Qualifikation für die Major- und World-Tour-Turniere bedeutet. Inzwischen ist er abgerutscht auf 52. Die US-Open-Teilnahme ist gefährdet, vom Abschneiden in Wentworth hängt alles ab. Nur für die British Open in Turnberry ist er qualifiziert. Wolfenstetter kann nicht mit ihm reisen. "Da spielen wir den Jugend Birdie Cup im Club aus", erklärt er lachend, "das hat einfach die größere Priorität." Möglich, dass er seinen Jugendlichen die Geschichte von Jaidee und den Kindern auf dem Kurzplatz in Lop Buri erzählt. "Die bekommen vom Thongchai einen Ball, dann sagt er ihnen, sie sollen so lange üben, bis der Ball nach dem Auftreffen vom Backspin zurückrollt. Und wenn das nach vier Stunden nicht klappt, üben die eben einfach weiter." Petra Himmel
Quelle: sueddeutsche.de