Ziel: Untervaz. Nach kleiner Unsicherheit haben wir den Weg "zurück" nach Reichenau rasch gefunden und sind wiederum bei prächtigem Herbstwetter losmarschiert. Bald haben wir den Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau erreicht und den Vorderrhein überquert. Von dieser Brücke aus kann man das sehr seltene T-förmige Zusammenfliessen zweier Flussarme dank der unterschiedlichen Farbe (Feinanteile) bestens feststellen: Das heisst Vorder- und Hinterrhein strömen frontal gegen einander um dann gemeinsam in Richtung Chur weiter zu fliessen = vertikaler Teil des T.
In Reichenau mussten wir wieder einige Höhenmeter überwinden, um dann mehr oder weniger auf der Höhenkurve hoch über dem Rhein, gegenüber des „Chr. Blocher“ Dorfes Domat-Ems und dem eindrücklichen Emser-Werk, ostwärts in Richtung Chur wanderten. Durch einen schönen Mischwald und vorbei an einem idyllischen Teichlein begann sich der Weg gegen das Dörfchen Felsberg zu senken. Felsberg mit sehr gutem Weisswein und noch besseren Bundesräten: Leo Schlumpf und Tochter Eveline Widmer-Schlumpf kommen aus dieser malerischen Gegend.

Der Zielhang des Armee-Waffenplatzes und der Fuss des mächtigen, sehr steil abfallenden Calanda (über 2’800 m. ü. M.) zwangen uns einmal mehr die Flussseite zu wechseln. Da keine Infanterieübungen statt fanden, konnten wir bis Haldenstein auf der rechten Flussseite bleiben und mussten keine Umwege in Kauf nehmen. Ab Haldenstein benutzten wir wieder das linke Ufer. Leider haben wir eine Hinweistafel verpasst, welche uns auf einen nichtpassierbaren Teil unseres Weges aufmerksam machen wollte (sollte). Wir genossen den schmalen Fussweg bis wir an die Stelle kamen, wo die HOLCIM einen der drei Steinbrüche erweitert und wir diesen steil bergwärts umgehen mussten. Kurz vorher hat uns ein Fischer auf der anderen Seite des Rheins mit Rufen und Winken versucht klar zu machen, dass wir uns nicht auf der Idealroute befanden. Wir haben es dann aber bald getschäggt, was er gemeint hat: Mit dem schweren Rucksack, wir haben ja immer alles dabei, hatten wir wirklich das Gefühl, beinahe senkrecht hochsteigen zu müssen. Aber auch das haben wir geschafft und nach dem Passieren einer weiteren Burgruine haben wir schon bald den Bahnhof Untervaz in der Ferne gesehen. Im Dorf Untervaz konnten wir über Internet keine Unterkunft finden. Wir haben deshalb im Hotel Bahnhof logiert, ein Hotel, welches vor dem Bau der A3 sicher eine wertvolle Unterkunft für Fernfahrer war. Sehr einfache aber saubere Zimmer mit Dusche (ohne TV / Telefon, aber mit nostalgischen Kölsch-Bettanzügen) haben uns auch gedient, die Strapazen der über sechsstündigen Etappe zu vergessen. Ein währschaftes Nachtessen mit einem Glas Landwein in eben diesem Hotel Bahnhof hat uns wieder aufgestellt.
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